2-Tage-Workshops am 26. und 27.11.2021

Die 2-Tage-Workshops dauern jeweils zweimal 3,75 Stunden und finden in kleinen Gruppen mit maximal 30 Teilnehmern statt. Insgesamt sind die Veranstaltungen des DGPPN Kongresses mit voraussichtlich 30 CME-Punkten zertifiziert. Im Folgenden finden Sie  die buchbaren 2-Tage-Workshops. Die Gebühren werden auch im Portal angezeigt.

Der jeweils zweite Teil des Workshops findet am zweiten Tag im selben Raum statt.

08:30–12:15 Uhr

WS-220 Angewandte Improvisation in der Psychotherapie

Vorsitz: Miriam Stein, Frauke Nees, Knut Schnell 

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Bei der Angewandten Improvisation werden Prinzipien und Methoden aus dem Improvisationstheater gezielt auf andere Bereiche, hier den therapeutischen Kontext, übertragen.

Die Angewandte Improvisation bietet dabei zum einen ein großes Potential für die Arbeit mit PatientInnen: Neben einer differenzierten verhaltensbasierten Diagnostik ermöglicht sie eine spielerische und erfahrungsorientierte Psychoedukation sowie die Förderung der interpersonellen Wahrnehmungsgenauigkeit, die Verbesserung der Mentalisierungsfähigkeit bzw. Empathie und die Förderung von annäherungsorientiertem (statt vermeidungsorientiertem) Verhalten. Darüber hinaus kann die Angewandte Improvisation spielerisch zur Flexibilisierung des Interaktionsverhaltens (i.S. von Cirkumplexmodellen wie dem Kiesler-Kreis) beitragen. Nicht zuletzt werden Spontaneität und Assoziationsfähigkeit trainiert.

Die Angewandte Improvisation bietet zudem auch neue Möglichkeiten für Therapeutinnen und Behandlerteams: Sie ermöglicht die Reflexion der eigenen therapeutischen Haltung sowie u.a. die Einübung des Arbeitens mit Brüchen in der therapeutischen Allianz als rupture-repair Prozess. Sowohl für PatientInnen als auch für BehandlerInnen kann die Angewandte Improvisation neue positive Erfahrungen der Interaktion und Zusammenarbeit in Gruppen und Teams ermöglichen.

In dem Workshop werden erste Befunde und aktuelle Projekte zum Einsatz Angewandter Improvisation im klinischen Kontext vorgestellt. Der Fokus des Workshops liegt auf praktischen Übungen, bei denen die Teilnehmer spielerisch die eigene Haltung erleben, reflektieren und mit viel Spaß Neues ausprobieren können.

WS-221 CBASP – eine schulenübergreifende, störungsspezifische Psychotherapie für chronisch depressive Patient*innen im ambulanten und stationären Setting

Vorsitz: Eva-Lotta Brakemeier, Philipp Sterzer

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Chronisch bzw. persistierend depressive Patienten können für Psychotherapeut*innen oder ein stationäres Behandlungsteam aufgrund der Schwierigkeit, mit ihnen in eine offene, vertrauensvolle, konstruktive Beziehung zu treten, eine große Herausforderung darstellen. Diese Patient*innen erscheinen im therapeutischen Kontakt häufig besonders verschlossen, zurückhaltend, ängstlich, misstrauisch bis hin zu passiv-aggressiv bzw. feindselig. Durch die Kenntnis ihrer frühen traumatisierenden Beziehungserfahrungen sind diese Verhaltensweisen oft erklärbar, jedoch behindern sie den Aufbau der Beziehung, Therapiefortschritt und lösen in Psychotherapeuten nicht selten negative Emotionen aus.

Das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) von James McCullough wurde spezifisch für diese Patientengruppe entwickelt. Ausgehend von der Psychopathologie dieser Patient*innen werden in CBASP schulenübergreifend behaviorale, kognitive, psychodynamisch/analytische und interpersonelle Strategien integriert. Als besonders innovativ und hilfreich wird die Beziehungsgestaltung durch umsichtige Selbstöffnung der Therapeut*innen betrachtet.

Im Workshop wird zunächst die spezifische Psychopathologie der chronischen bzw. persistierenden Depression herausgearbeitet, die durch frühe traumatisierende Beziehungserfahrungen, eine Wahrnehmungsentkopplung von der Umwelt sowie interpersonelle Probleme gekennzeichnet ist. Im weiteren Verlauf wird praxisnah unterstützt durch Videobeispiele, Demonstrationen und Übungen gezeigt, wie die spezifischen CBASP-Strategien (Liste prägender Bezugspersonen, Übertragungshypothese, Interpersonelle Diskriminationsübung, Kiesler Kreis, Situationsanalyse, Diszipliniertes Persönliches Einlassen) direkt an dieser Psychopathologie ansetzen. Abschließend wird kurz die aktuelle Studienlage zur Wirksamkeit als ambulante und stationäre Therapie vorgestellt, wobei Möglichkeiten, Grenzen und Weiterentwicklungen diskutiert werden.

Didaktische Methoden: Kurze Einführung in die spezifische Psychopathologie der chronischen bzw. persistierenden Depression und in CBASP; praxisnahe Vorstellung sämtlicher CBASP-Strategien unterstützt durch Videobeispiele, Live- Demonstrationen und Kleingruppen-Übungen mit Coaching; lebendige Diskussion mit TeilnehmerInnen über Indikation, Nebenwirkungen, Wirkungen, Möglichkeiten und Grenzen dieses Ansatzes

Literaturempfehlung

Brakemeier EL, Guhn A & Normann C (2021). Praxisbuch CBASP. Behandlung chronischer Depression und Modifikationen der traditionellen CBASP-Therapie. Weinheim: Beltz Verlag.

Guhn, A., Köhler, S., Brakemeier, E. L., & Sterzer, P. (2021). Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy for inpatients with persistent depressive disorder: a naturalistic trial on a general acute psychiatric unit. European archives of psychiatry and clinical neuroscience, 271(3), 495–505. https://doi.org/10.1007/s00406-019-01038-5

Schefft, C., Guhn, A., Brakemeier, E. L., Sterzer, P., & Köhler, S. (2019). Efficacy of inpatient psychotherapy for major depressive disorder: a meta-analysis of controlled trials. Acta psychiatrica Scandinavica, 139(4), 322–335. https://doi.org/10.1111/acps.12995

Guhn, A., Köhler, S., Brakemeier, E.L. (2019). Kiesler-Kreis Training – ein Manual zur Behandlung interpersoneller Probleme in Gruppen- und Einzeltherapie. Weinheim: Beltz-Verlag.

Brakemeier EL & Buchholz A (2013). Die Mauer überwinden. Wege aus der chronischen Depression. Weinheim: Beltz Verlag.

WS-222 Das Asperger-Syndrom und andere Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter

Vorsitz: Ludger Tebartz van Elst, Julia Peters, Schide Nedjat, Ulrike Sünkel, Doris Bökamp

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Das Interesse der Erwachsenenpsychiatrie und –psychotherapie am Thema der Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) hat in der letzten Dekade deutlich zugenommen. Dies ist der Einsicht geschuldet, dass bei vielen erwachsenen Patientinnen und Patienten, die klinisch unter der Diagnose einer atypischen Depression, Zwangsstörung, Angsterkrankungen aber auch Persönlichkeitsstörungen oder atypischen schizophreniformen Störungen behandelt werden, ein Asperger Syndrom oder eine Autismus Spektrum Störung der Schlüssel zum Verständnis der oft bunten Symptomatik ist. Diese Symptomatik reicht von heftigen psychosozialen Konflikten in den Familien, den Beziehungen oder am Arbeitsplatz bis hin zu vielfältigen oft atypischen Symptomen wie Kommunikationsstörungen, Missverständnissen, dissoziativen Zuständen, Anspannungszustände und psychosenahen Erlebensweisen. Nach unserer Erfahrung unterscheiden sich Patienten mit ASS, die sich primär in der Erwachsenenpsychiatrie vorstellen, durchaus von solchen, die bereits im Kindes- oder Jugendalter diagnostiziert wurden.

In diesem Workshop sollen die Besonderheiten dieser großen Patientenuntergruppe in Hinblick auf Symptomatik, komorbide andere psychische Symptome, Diagnostik und Therapie thematisiert werden. Unter anderem sollen dabei das in Freiburg entwickelte Konzept einer ambulanten Gruppentherapie und erste Erfahrungen mit einem spezifischen stationären Therapieprogramm für diese Patientengruppe vorgestellt werden.

WS-223 Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) – Hintergrund, Diagnostik und Therapie

Vorsitz: Ulrich Frommberger

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Nach belastenden Erlebnissen entwickelt eine bedeutende Minderheit der Betroffenen anhaltende psychische Syndrome. Die posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) ist die bedeutsamste und am besten untersuchte Traumafolgestörung. 
Deren Diagnose ist im Alltag mitunter nicht leicht und fehlerhaft. Erschwerend kommt hinzu, dass die Klassifikationssysteme ICD und DSM unterschiedliche Wege gehen. Die Diagnostik der (komplexen) PTSD anhand der Klinik, wie auch von Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren wird vorgestellt. 

Risikofaktoren, Eigenschaften des Traumas selbst, die initiale psychopathologische Symptomatik sowie Kognitionen tragen zur Entwicklung einer (komplexen) PTSD bei. Diese Grundlagen werden im Workshop dargestellt. Traumatisierungen erschüttern die Integrität des Menschen, sein Weltbild, seine Überzeugungen und Einstellungen. Die Bearbeitung der Kognitionen ist ein wichtiges Element der Therapie und wird in Grundzügen vermittelt. Die Symptomatik wird von den Patienten häufig nicht als Traumafolge verstanden bzw. kann nicht eingeordnet werden. Eine intensive Psychoedukation ist notwendig. Zur ersten Wiedergewinnung von Kontrolle haben sich Entspannungsverfahren und Atemtechniken bewährt. Zentral in der Verhaltenstherapie der PTSD ist die Konfrontationstherapie. Das von der Arbeitsgruppe von Edna Foa entwickelte Modell der Konfrontationstherapie wird im Workshop vorgestellt. Dies ist ein für Patienten wie Therapeuten belastendes Verfahren mit der Notwendigkeit, die bisher vermiedenen Emotionen und Kognitionen zu mobilisieren und mittels Habituation zu bewältigen. In den letzten beiden Jahrzehnten wurden weitere spezifische Therapiemethoden entwickelt und evaluiert, z.B. die EMDR, die kurz gezeigt wird. Psychopharmaka reduzieren in kontrollierten Studien erfolgreich die PTSD-Symptomatik. Detailliert wird die medikamentöse Vorgehensweise im akuten wie auch chronischen Fall behandelt. Die Form und Wirksamkeit von Frühinterventionen ist umstritten. Aufgezeigt wird der aktuelle Forschungsstand. Die Wirksamkeit der genannten Verfahren in Metaanalysen und Cochrane-Analysen wird vergleichend vorgestellt, ebenso die Empfehlungen der neuen AWMF-Leitlinie zur PTSD. Der Workshop hat einen verhaltenstherapeutischen Schwerpunkt mit den am besten evaluierten und wirksamen Verfahren bei Typ I Trauma. Jedoch ist auch die Diagnostik und Behandlung von Typ II -Traumata Gegenstand des Workshops.
Die Begutachtung von Traumafolgestörungen wird ebenfalls vorgestellt. Auch werden Literaturempfehlungen und links gegeben.

Didaktische Methoden: Vortrag, Video, eingehende Diskussion

Zielgruppe: Assistenten in fortgeschrittener Weiterbildung sowie Fachärzte

WS-224 Schematherapie – Grundlagen und Anwendungen

Vorsitz: Christine Zens, Eva Faßbinder

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Die Schematherapie nach Jeffrey Young stellt eine moderne psychotherapeutische Methode zur Behandlung von Patienten mit chronischen, komplexen psychischen Erkrankungen dar. Die Verbreitung hat in den letzten Jahren nicht zuletzt wegen der guten Studienergebnisse in der Behandlung von Patienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen stark zugenommen. Die Schematherapie geht davon aus, dass Menschen bereits in der Kindheit überdauernde, dysfunktionale Konzepte (Schemata) von sich selbst, von anderen und der Welt entwickeln, wenn die Grundbedürfnisse von Kindern (z. B. Sicherheit, Liebe oder Akzeptanz) nicht erfüllt werden. Während Schemata eher überdauernd und rigide sind („traits“), können die daraus resultierenden Modi sehr schnell wechseln und beschreiben so den aktuellen emotionalen Zustand („states“) einer Person. Das Modusmodell stellt die zentralen Probleme einer Person im Hier und Jetzt klar dar, wird schnell verstanden und ist das zentrale Element in der aktuellen schematherapeutischen Arbeit.

Dieser Workshop wird entsprechend der aktuellen Entwicklung der Schematherapie die Arbeit mit dem Modusmodell in den Vordergrund stellen. Neben der Vermittlung theoretischer Grundkenntnisse (Schema- und Modusmodell) sollen exemplarisch schematherapeutischer Techniken demonstriert und trainiert werden.

Methoden: Vortrag mit Powerpoint-Präsentation, Video- oder Livedemonstration, Arbeit mit Fallbeispielen mit Erarbeitung eines Moduskonzeptes, Einübung der therapeutischen Techniken in Rollenspielen, Handouts.

Zielgruppe: Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter oder Pflegepersonal mit Interesse für Schematherapie. Vorkenntnisse in Bezug auf Schematherapie sind nicht erforderlich.

Literatur:

  • Zens, C. & Jacob., G. (2015). Poster Schematherapie. Das Modusmodell auf einen Blick. Weinheim: Beltz.
  • Zens, C. & Jacob, G. (2014). Schwierige Situationen in der Schematherapie. Weinheim: Beltz.
  • Zens, C. & Jacob, G. (2015). Schwierige Situationen in der Schematherapie. Weinheim: Beltz Videolearning
  • Fassbinder, E., Schweiger U., Jacob, G. (2011). Therapietools Schematherapie. Weinheim: Beltz.
  • Jacob, G. & Arntz, A. (2015). Schematherapie in der Praxis. Weinheim: Beltz.
  • Young, J. E., Klosko, J. S. & Weishaar, M. E. (2006). Schematherapie – ein praxisorientiertes Handbuch. Paderborn: Junfermann.
WS-225 Der multimorbide Alterspatient in der Gerontopsychiatrie

Vorsitz: Walter Hewer, Christine Thomas

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Aus demographischen Gründen nimmt die Zahl hochaltriger und multimorbider Menschen, die (teil)stationär und ambulant psychiatrisch behandelt werden, deutlich zu und wird in Zukunft noch weiter steigen. Neben verschiedensten u. U. mehrere Organsysteme betreffenden Begleiterkrankungen sind viele Patienten durch sog. geriatrische Syndrome beeinträchtigt. Komorbide somatische Störungen interagieren regelhaft in meist komplexer Weise mit psychischen Störungen und deren Behandlung. Somatische Prozesse können einerseits ätiologisch relevant für psychische Störungen sein (z. B. Delir ausgelöst durch Exsikkose) und vice versa ebenso (z. B. Exsikkose/Malnutrition in Folge einer schweren Depression). Zum anderen schränken Komorbiditäten psychopharmakologische und psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten ein. Geriatrische Syndrome wie Sturzkrankheit, Malnutrition, kognitive Defizite und sensorische sowie motorische Defizite erhöhen die Vulnerabilität der betroffenen Patienten beträchtlich und müssen wegen der assoziierten Risiken bei der Therapieplanung, Therapiezieldefinition und Behandlungsdauer berücksichtigt werden. Dabei ist der Wiedererlangung bzw. der Stabilisierung eines möglichst hohen Funktionsniveaus als wichtiger Voraussetzung für den Autonomieerhalt besondere Beachtung zu schenken. Weiterhin erfordern Entscheidungen zu medizinischen Maßnahmen obligat die Klärung der rechtlichen Rahmenbedingungen (z. B. Prüfung der Einwilligungsfähigkeit) und einer Einbeziehung der Betroffenen in die Entscheidungsfindung.

Inhaltliche Schwerpunkte: Assessment und multiprofessionelle Behandlung bei ausgewählten in der Gerontopsychiatrie besonders bedeutsamen geriatrischen Syndromen und Problembereichen, wie Delir, Stürze, Gebrechlichkeitssyndrom (Frailty), Schmerzen, Polypharmazie, Malnutrition, Inkontinenz. Das Management internistischer und neurologischer Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Parkinson-Syndrom) bei Alterspatienten wird in exemplarischer Form und unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen mit psychischen Störungen besprochen.

Lernziel: Vertiefung praxisrelevanter altersmedizinischer Kenntnisse, die insbesondere für die Behandlung hochaltriger Patienten mit psychischen Störungen bedeutsam sind.

Methode: Die zur Verfügung stehende Zeit wird etwa jeweils zur Hälfte für die Vermittlung theoretischer Grundlagen bzw. die interaktive Besprechung exemplarischer Fälle aufgewendet. Wenn teilnehmende Kolleginnen und Kollegen eigene Fälle einbringen, ist dies sehr willkommen. Ein Skript und – auf Wunsch – spezielle Literatur werden zur Verfügung gestellt.

Zielgruppe: Ärztinnen/Ärzte in Weiterbildung, Fachärztinnen/-ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztinnen/Ärzte anderer Fachrichtungen.

WS-226 Neurofeedback – eine verhaltenstherapeutische Technik zur Selbstregulation von Gehirnaktivität und Verhalten

Vorsitz: Kerstin Mayer-Carius

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Neurofeedback ist eine psychophysiologische Behandlungsmethode, die in den letzten Jahren für die Behandlung von Erwachsenen und Kindern mit verschiedenen Störungen entwickelt und evaluiert wurde. Erfolge in der Behandlung von Epilepsien und der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) konnten nachgewiesen werden. Auch andere Anwendungsbereiche wie z.B. Tinnitus, Tourette, Migräne, primäre Insomnie, Autismus oder Leistungssteigerung bei Gesunden werden zunehmend untersucht und / oder von Patienten nachgefragt. Damit ist in der Schnittmenge von Medizin und Psychologie eine Nachfrage entstanden, die weder Ärzte noch Psychologen in Ermangelung einschlägiger Ausbildung auch nur annähernd befriedigen. Im Workshop werden die hirnphysiologischen und lerntheoretischen Grundlagen des Neurofeedbacks vorgestellt. Am Beispiel der ADHS werden Behandlungsprotokolle und ihre Einordnung in ein verhaltenstherapeutisches Vorgehen besprochen. Es werden Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit vorgestellt und ein Ausblick auf andere Anwendungen gegeben. Ein Schwerpunkt wird in der Einführung in die Technik liegen. Neurofeedback-Geräte stehen zu Demonstrationszwecken und für eigenständige Übungen zur Verfügung.

Zielgruppe: Psychiater, Psychotherapeuten, Pädiater, Neuropädiater, Psychologen, EEG-Assistenten Didaktische Methode: Vortrag, Demonstrationen und eigenständige Übungen am Feedback-Gerät.

26.11. von 15:30–19:15 Uhr und 27.11. von 08:30–12:15 Uhr

WS-227 Interaktionen von Psychopharmaka und Probleme der Polypharmazie

Vorsitz: Gabriel Eckermann

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Polypharmazie beginnt lt. WHO ab 5 Medikamenten aufwärts. Überlegen Sie, wie viel Medikamentenkurven Sie haben, die weniger als 5 Medikamente aufweisen?

Man geht davon aus, dass Arzneimittelinteraktionen bei UAW-bedingten Krankenhausaufnahmen zu 25 % und bei Aufnahmen auf Intensivstationen zu 50 % mitverantwortlich sind (Hafner et al. Der Internist 2010;51: 359-370).

Die meisten unerwünschten Arzneimittelwirkungen, die durch Wechselwirkungen bedingt sind, gelten als „vermeidbare Medikationsfehler“ (Hiemke C, Eckermann G, Psychopharmakotherapie 2014; 21:269-279)

In diesem Workshop sollen medikamentöse Kombinationstherapien in Bezug auf Risiken und Fallstricke, aber auch die mögliche erhöhte therapeutische Effizienz dargestellt werden. Es werden Signale diskutiert, die auf die zu erwartenden Interaktionseffekte hinweisen.

Dabei wird auch speziell auf die aktuelle Situation durch die COVID-19-Pandemie bei mit Psychopharmaka behandelten Patienten eingegangen, sowie auf die Wechselwirkungen mit Medikamenten, die bei COVID-19 eingesetzt werden (Seifert J, Heck J, Eckermann G et al. Nervenarzt 2020; 91: 604-610) und auf die Frage, wie es mit der COVID-19-Impfung bei Patienten mit Psychopharmaka steht.

Arzneimittelinteraktionen werden in pharmakokinetische und pharmakodynamische eingeteilt.

Pharmakokinetische Interaktionen entstehen, wenn eine Substanz die Absorption, die Verteilung, den Metabolismus oder die Exkretion eines Medikaments verändert und damit dessen Konzentration am Wirkort erhöht oder senkt. Die meisten pharmakokinetischen Wechselwirkungen finden auf der Ebene der Metabolisierung statt und hier an Enzymen des Cytochrom-P450-Systems (CYP).

Pharmakodynamische Wechselwirkungen entstehen, wenn die kombinierten Substanzen an der gleichen Wirkstruktur oder an funktionell verbundenen Systemen gemeinsam angreifen. So können sich z. B. anticholinerge Wirkungen von Amitriptylin, Olanzapin und Tolterodin aufsummieren zu einem Delir.

Natürlich können auch allgemeinmedizinische oder internistische Medikamente wie die Antibiotika Ciprofloxacin, Clarithromycin oder das Antimykotikum Terbinafin oder das Antiarrhythmikum Amiodaron starke pharmakokinetische Effekte triggern.

„Genussmittel“ wie das Rauchen senken die Blutspiegel nicht nur von Duloxetin oder von Antipsychotika wie Clozapin oder Olanzapin, sondern z. B. auch von Antiparkinsonmedikamenten wie Rasagilin und Ropinirol klinisch bedeutsam.

Es wird auch die Wechselwirkungsthematik zwischen onkologischen und ZNS-Medikamenten besprochen. Außerdem wird das Kapitel der sog. Prodrugs wie Tramadol, Tamoxifen, Clopidogrel aufgegriffen. Diskutiert werden pharmakogenetische Polymorphismen, sog. Poor bzw. Ultra Rapid Metabolizer, solch ein veränderter pharmakogenetischer Status kann erhebliche Behandlungsrisiken in sich bergen.

Wir kümmern uns um die Probleme und Risiken durch Phytopharmaka und Selbstmedikation (die Hausärzte werden mit Werbung für Phytopharmaka -z. T. auch von Ärzten angepriesen- völlig bagatellisierend „beschossen“), doch diese „Anpreisungen“ sind u.U. ein Hochrisiko-Hazard-Spiel für die Patienten.

Für die Psychopharmakotherapie speziell bedeutsame elektronische Interaktionsdatenbanken werden vorgestellt: www.psiac.de und ein analoges Programm www.mediQ.ch

Wenn bei einer Kombination mit Wechselwirkungen zu rechnen ist, so muss dies nicht bedeuten, dass die Kombination vermieden werden sollte. Sie kann sogar hilfreich sein. Durch Messung der Plasmakonzentrationen, durch das Therapeutische Drug Monitoring (TDM), ist es möglich, die Dosis individuell anzupassen.

Unbedingt geht es in diesem Workshop auch um die Fälle der Teilnehmer, die diese diskutieren möchten. Alle Kolleginnen und Kollegen sind aufgefordert, eigene Fälle mitzubringen, die sie als schwierig oder sehr komplex verstehen. Und wir bearbeiten diese Fälle gemeinsam nach dem Motto: „Was mache ich, wenn ...?“

Weiterführende Literatur

Hiemke C., Eckermann G., Kombinationstherapie/Polypharmazie: Interaktionen von Psychopharmaka. Psychopharmakotherapie 2014; 21:269-279

Geisslinger/Menzel „Wenn Arzneimittel wechselwirken – wichtige Interaktionen erkennen und vermeiden“. Verlag Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2017.

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