2-Tage-Workshops am 29. und 30.11.2019

Die 2-Tage-Workshops dauern jeweils zweimal 3,75 Stunden und finden in kleinen Gruppen mit maximal 30 Teilnehmern statt. Insgesamt sind die Veranstaltungen des DGPPN Kongresses mit voraussichtlich 30 CME-Punkten zertifiziert. Im Folgenden finden Sie  die buchbaren 2-Tage-Workshops. Die Gebühren werden auch im Portal angezeigt.

Der jeweils zweite Teil des Workshops findet am zweiten Tag im selben Raum statt.

08:30–12:15 Uhr

WS 218 Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) – Hintergrund, Diagnostik und Therapie

Vorsitz: Ulrich Frommberger

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Abstract: Nach belastenden Erlebnissen entwickelt eine bedeutende Minderheit der Betroffenen anhaltende psychische Syndrome. Die posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) ist die bedeutsamste und am besten untersuchte Traumafolgestörung. Deren Diagnose ist im Alltag mitunter nicht leicht und fehlerhaft. Erschwerend kommt hinzu, dass die Klassifikationssysteme ICD und DSM unterschiedliche Wege gehen. Die Diagnostik der (komplexen) PTSD anhand der Klinik, wie auch von Selbst- und Fremdbewertungsverfahren wird vorgestellt. Risikofaktoren, Eigenschaften des Traumas selbst, die initiale psychopathologische Symptomatik sowie Kognitionen tragen zur Entwicklung einer (komplexen) PTSD bei. Diese Grundlagen werden im Workshop dargestellt. Traumatisierungen erschüttern die Integrität des Menschen, sein Weltbild, seine Überzeugungen und Einstellungen. Die Bearbeitung der Kognitionen ist ein wichtiges Element der Therapie und wird in Grundzügen vermittelt. Die Symptomatik wird von den Patienten häufig nicht als Traumafolge verstanden bzw. kann nicht eingeordnet werden. Eine intensive Psychoedukation ist notwendig. Zur ersten Wiedergewinnung von Kontrolle haben sich Entspannungsverfahren und Atemtechniken bewährt. Zentral in der Verhaltenstherapie der PTSD ist die Konfrontationstherapie. Das von der Arbeitsgruppe von Edna Foa entwickelte Modell der Konfrontationstherapie wird im Workshop vorgestellt. Dies ist ein für Patienten wie Therapeuten belastendes Verfahren mit der Notwendigkeit, die bisher vermiedenen Emotionen und Kognitionen zu mobilisieren und mittels Habituation zu bewältigen. In den letzten beiden Jahrzehnten wurden weitere spezifische Therapiemethoden entwickelt und evaluiert, z.B. die EMDR, die kurz gezeigt wird. Psychopharmaka reduzieren in kontrollierten Studien erfolgreich die PTSD-Symptomatik. Detailliert wird die medikamentöse Vorgehensweise im akuten wie auch chronischen Fall behandelt. Die Form und Wirksamkeit von Frühinterventionen ist umstritten. Aufgezeigt wird der aktuelle Forschungsstand. Die Wirksamkeit der genannten Verfahren in Metaanalysen und Cochrane-Analysen wird vergleichend vorgestellt, ebenso die Empfehlungen der neuen AWMF-Leitlinie zur PTSD. Der Workshop hat einen verhaltenstherapeutischen Schwerpunkt mit den am besten evaluierten und wirksamen Verfahren bei Typ I Trauma. Jedoch ist auch die Diagnostik und Behandlung von Typ II -Traumata Gegenstand des Workshops. Die Begutachtung von Traumafolgestörungen wird ebenfalls vorgestellt.

Zielgruppe: Assistenten in fortgeschrittener Weiterbildung sowie Fachärzte

Didaktische Methoden: Vortrag, Video, eingehende Diskussion

Literaturangaben: Frommberger, U., Nyberg, E., Angenendt, J., Lieb, K., Berger, M. (2019) Posttraumatische Belastungsstörungen. In: Psychische Erkrankungen (M. Berger, Hrsg.), S. 501-524, 6. Auflage, Elsevier Urban & Fischer, München

WS 219 Das Asperger-Syndrom und andere Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter

Vorsitz: Ludger Tebartz van Elst , Julia Peters , Schide Nedjat, Ulrike Sünkel 

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Abstract: Das Interesse der Erwachsenenpsychiatrie und -psychotherapie am Thema der Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) hat in der letzten Dekade deutlich zugenommen. Dies ist der Einsicht geschuldet, dass bei vielen erwachsenen Patientinnen und Patienten, die klinisch unter der Diagnose einer atypischen Depression, Zwangsstörung, Angsterkrankungen aber auch Persönlichkeitsstörungen oder atypischen schizophreniformen Störungen behandelt werden, ein Asperger Syndrom oder eine Autismus Spektrum Störung der Schlüssel zum Verständnis der oft bunten Symptomatik ist. Diese Symptomatik reicht von heftigen psychosozialen Konflikten in den Familien, den Beziehungen oder am Arbeitsplatz bis hin zu vielfältigen oft atypischen Symptomen wie Kommunikationsstörungen, Missverständnissen, dissoziativen Zuständen, Anspannungszustände und psychosenahen Erlebensweisen. Nach unserer Erfahrung unterscheiden sich PatientInnen mit ASS, die sich primär in der Erwachsenenpsychiatrie vorstellen, durchaus von solchen, die bereits im Kindes- oder Jugendalter diagnostiziert wurden. In diesem Workshop sollen die Besonderheiten dieser großen Patientenuntergruppe in Hinblick auf Symptomatik, komorbide andere psychische Symptome, Diagnostik und Therapie thematisiert werden. Unter anderem sollen dabei das in Freiburg entwickelte Konzept einer ambulanten Gruppentherapie und erste Erfahrungen mit einem spezifischen stationären Therapieprogram für diese Patientengruppe vorgestellt werden. Folgende Einzelthemen werden bearbeitet: • Klinische Präsentation des Asperger-Syndroms und anderer hochfunktionaler Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) in der Erwachsenenpsychiatrie anhand von Kasuistiken und Videopräsentationen • Standards der klinischen und psychometrischen Diagnostik der ASS • Neurobiologie der ASS dysexekutive Hypothese gestörte Theory of Mind defizitäre zentrale Kohärenz • Komorbiditäten und atypische Präsentationen (Kasuistiken & Videos) • Psychotherapie der ASS Ambulante Gruppentherapie Einzeltherapie Stationäre psychotherapeutische Behandlungskonzepte • Kasuistische Falldiskussionen • Beiträge von betroffenen Menschen mit Autismus zur Lebenswirklichkeit und zur Berufssituation

WS 220 Schematherapie – Grundlagen und Anwendungen

Vorsitz: Christine Zens

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Abstract: Die Schematherapie nach Jeffrey Young stellt eine moderne psychotherapeutische Methode zur Behandlung von Patienten mit chronischen, komplexen psychischen Erkrankungen dar. Die Verbreitung hat in den letzten Jahren nicht zuletzt wegen der guten Studienergebnisse in der Behandlung von Patienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen stark zugenommen. Die Schematherapie geht davon aus, dass Menschen bereits in der Kindheit überdauernde, dysfunktionale Konzepte (Schemata) von sich selbst, von anderen und der Welt entwickeln, wenn die Grundbedürfnisse von Kindern (z. B. Sicherheit, Liebe oder Akzeptanz) nicht erfüllt werden. Während Schemata eher überdauernd und rigide sind („traits“), können Modi sehr schnell wechseln und beschreiben den aktuellen emotionalen Zustand („states“). Das Modusmodell stellt die zentralen Probleme der Patienten im Hier und Jetzt klar dar, wird schnell von den Patienten verstanden und ist das zentrale Element in der aktuellen schematherapeutischen Arbeit. Dieser Workshop wird entsprechend der aktuellen Entwicklung der Schematherapie die Arbeit mit dem Modusmodell in den Vordergrund stellen. Neben der Vermittlung schematherapeutischer Grundkenntnisse (Schemata, Bewältigungsstile, Grundbedürfnisse, Gestaltung der therapeutischen Beziehung, Modusmodell, Fallkonzeptualisierung, etc.) soll exemplarisch die Anwendung einzelner schematherapeutischer Techniken demonstriert und trainiert werden.

Zielgruppe: Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter oder Pflegepersonal mit Interesse für Schematherapie. Vorkenntnisse in Bezug auf Schematherapie sind nicht erforderlich.

Didaktische Methoden: Vortrag mit Powerpoint-Präsentation, Video- oder Livedemonstration, Arbeit mit Fallbeispielen mit Erarbeitung eines Moduskonzeptes, Einübung einzelner therapeutischen Techniken im Rollenspiel, Handout.

Literatur: Zens, C. & Jacob., G. (2015). Poster Schematherapie. Das Modusmodell auf einen Blick. Weinheim: Beltz. Fassbinder, E., Schweiger U., Jacob, G. (2011). Therapietools Schematherapie. Weinheim: Beltz. Jacob, G. & Arntz, A. (2015). Schematherapie in der Praxis. Weinheim: Beltz. Zens, C. & Jacob, G. (2015). Schwierige Situationen in der Schematherapie. Weinheim: Beltz Videolearning. Zens, C. & Jacob, G. (2014). Schwierige Situationen in der Schematherapie. Weinheim: Beltz. Young, J. E., Klosko, J. S. & Weishaar, M. E. (2008). Schematherapie – ein praxisorientiertes Handbuch. Paderborn: Junfermann.

WS 221 Motivierende Gesprächsführung – Strategien der Gesprächsführung mit unzureichend motivierten Patienten

Vorsitz: Karin Hoff

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Abstract: Die Motivierung von Patienten gehört zum täglichen Geschäft von Therapeuten und Ärzten. Patienten müssen motiviert werden, die Medikamentencompliance aufrecht zu erhalten, eine Therapiemaßnahme zu beginnen, Verhaltensänderungen aktiv vorzunehmen oder auch nur ein Krankheitsmodell zu akzeptieren. Die Motivierende Gesprächsführung ist eine für den Einsatz mit unmotivierten Patienten entwickelte, wissenschaftlich fundierte und elegante Motivierungsstrategie. Sie verhilft den Therapeuten, ihre Ziele zu erreichen, ohne starke Widerstände auf Seiten des Patienten zu provozieren, oder geschickt mit dem Widerstand umzugehen.

Zielgruppe: Ärzte, Psychologen, Psychotherapeuten, Pflegekräfte, Sozialarbeiter; therapeutisches Fachpersonal Ziel des Workshops ist es, dass die Teilnehmer sich sicher fühlen im Umgang mit unmotivierten Patienten.

Didaktische Methoden: Präsentation der Theorie im Vortrag, Demonstration der Techniken anhand konkreter Beispiele im Plenum und durch Videobeispiele; Erarbeitung von Methoden in Kleingruppen; Rollenspiele; Diskussion

WS 222 Interpersonelle Psychotherapie (IPT) – neue Entwicklungen in der Praxis der Depressionstherapie

Vorsitz: Ute Nowotny-Behrens, Rebecca Schneibel

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Abstract: Die interpersonelle Psychotherapie gehört neben der Kognitiven Verhaltenstherapie zu den am besten untersuchten und evidenzbasierten Verfahren in der Depressionsbehandlung. Der Ansatz wurde ursprünglich speziell für die ambulante Behandlung depressiver Episoden entwickelt und sieht 12-20 Sitzungen von 50-minütiger Dauer vor. Eine daran anschließende Erhaltungs-IPT erwies sich in neueren Studien als sinnvoll. Das schulenübergreifende Modell der IPT konzeptualisiert Depression als multifaktoriell bedingte Erkrankung, die jedoch stets in einem interpersonellen Kontext steht. Die therapeutische Arbeit setzt deswegen lebensnah an belastenden Beziehungen und sozialen Rollen an (z.B. Rollenwechsel, Partnerschaftskonflikt, Rollenüberforderung, Trauer, neu auch Arbeitsstress). Ziel ist neben der Bearbeitung der interpersonellen Probleme der Erwerb sozialer und kommunikativer Fertigkeiten und das Nutzen des sozialen Beziehungsnetzes zur Bewältigung der Probleme. Spezifische interpersonelle Techniken (z. B. Kommunikationsanalyse) wie auch Techniken anderer Therapieschulen (z. B. Gefühlsaktualisierung, Klärung, Rollenspiele) kommen gleichermaßen zum Einsatz.

Zielgruppe: Da sich die IPT-Techniken für die Behandlung depressiver Patienten im ambulanten und stationären Rahmen bewährt haben, richtet sich der Workshop an Psychiater, Psychologen und Neurologen in Kliniken und Praxen

Didaktische Methode: Nach einer kurzen Einführung werden im Workshop anhand zahlreicher Falldarstellungen, Demonstrationen, praktischer Übungen und Rollenspiele spezifische Techniken erprobt und eingeübt.

WS 223 Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie

Vorsitz: Albert Diefenbacher, Ronald Burian, Maike Wolf 

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Abstract: Was ist C/L Psychiatrie und Psychosomatik? Zur Epidemiologie psychiatrischer Störungen in der somatischen Versorgung, Modelle der konsiliarpsychiatrischen Versorgung. Welche psychotherapeutischen Grundkenntnisse braucht der CL-Psychiater?
Spezieller Teil: Differentielle Diagnostik und Therapie häufiger Krankheitsbilder im psychiatrischen Konsiliardienst: Delir – ein biopsychosozialer Notfall. Was muss der CL-Psychiater wissen? Was kann der CL-Psychiater vom Internisten oder Chirurgen erwarten? - Depressionsbehandlung bei körperlich Kranken - Probleme bei der konsiliarischen Behandlung von Patienten mit komorbiden Sucht- und körperlichen Erkrankungen - Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit geistiger Behinderung und körperlichen Erkrankungen - Arzneimittelinteraktionen von Psychopharmaka und internistischer Medikation - Somatoforme Störungen Zielgruppe: Assistenzärzte in Weiterbildung und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie (anrechenbar für das DGPPN-Zertifikat Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Konsiliar- und Liaisondienst)

Didaktische Methode: Mischung aus mediengestützten Schwerpunktreferaten, Falldarstellungen mit Videovorführung, Gruppendiskussion unter Einbeziehung der Teilnehmer, Kleingruppenarbeit, Handouts 

Literatur: 1. Diefenbacher A, Burian R, Härter M: Konsiliar- und Liaisondienste für psychische Störungen. In: Berger M (Hrsg.) Psychische Erkrankungen Klinik und Therapie, Urban & Fischer München, 6. Auflage, 2018, S. 777-793 2. Diefenbacher A (2014) Psyche und Soma – was kann der Konsiliar- und Liaisonpsychiater beitragen? Neuropsychiatrie, Springer, DOI 10.1007/s40211-014-0126-6 3. Crossing the bridge - A prospective comparative study of the effect of communication between a hospital based consultation-liaison service and primary care on general practitioners' concordance with consultation-liaison psychiatrists' recommendations. Burian R, Franke M, Diefenbacher A, Journal of Psychosomatic Research (2016), 86, 53-59. 4. Establishing a nurse-based psychiatric CL service in the accident and emergency department of a general hospital in Germany.Burian R, Protheroe D, Grunow R et al. Nervenarzt (2014). 85 (9). 1217-25. 5. Prevention of postoperative delirium-A prospective nurse-led intervention on surgical wards in a general hospital. T Kratz, A Diefenbacher. European Psychiatry (2016) 33, S.483 6. Dreher A, Burian R (2015) Konsiliardienst in der Notaufnahme - die hohe Kunst der zivilisierten Zusammenarbeit. In: Elstner S, Schade C, Diefenbacher A (Hrsg): Starterkit Klinikalltag. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin. S. 84-97

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