2-Tage-Workshops am 28. und 29.11.2019

Die 2-Tage-Workshops dauern jeweils zweimal 3,75 Stunden und finden in kleinen Gruppen mit maximal 30 Teilnehmern statt. Insgesamt sind die Veranstaltungen des DGPPN Kongresses mit voraussichtlich 30 CME-Punkten zertifiziert. Im Folgenden finden Sie  die buchbaren 2-Tage-Workshops. Die Gebühren werden auch im Portal angezeigt.

Der jeweils zweite Teil des Workshops findet am zweiten Tag im selben Raum statt.

 08:30–12:15 Uhr

WS 216 Interaktionen von Psychopharmaka und Probleme der Polypharmazie

Vorsitz: Gabriel Eckermann

Zum Buchungsportal

Abstract: Man geht davon aus, dass Arzneimittelinteraktionen bei UAW-bedingten Krankenhausaufnahmen zu 25 % und bei Aufnahmen auf Intensivstationen zu 50% mitverantwortlich sind (Hafner et al. Der Internist 2010;51: 359-370). Die meisten unerwünschten Arzneimittelwirkungen, die durch Wechselwirkungen bedingt sind, zählen zu den vermeidbaren Medikationsfehlern (Hiemke C, Eckermann G, Psychopharmakotherapie 2014; 21:269-279) In diesem Workshop soll dargestellt werden, was die medikamentöse Kombinationstherapie an Risiken und Fallstricken bereithält. Und es sollen Signale erkannt werden, die auf die entsprechenden Risiken hinweisen. Arzneimittelinteraktionen werden in pharmakodynamische und pharmakokinetische eingeteilt. Pharmakodynamische Wechselwirkungen entstehen, wenn die kombinierten Substanzen an der gleichen Wirkstruktur oder an funktionell verbundenen Systemen gemeinsam angreifen. So können sich z.B. anticholinerge Wirkungen von Amitriptylin, Olanzapin und Tolterodin aufsummieren und zu einem anticholinergen „Hyperereignis“ führen, wie einer schweren Miktionsstörung. Pharmakokinetische Interaktionen entstehen, wenn ein Medikament die Absorption, die Verteilung in den Kompartimenten, den Metabolismus oder die Exkretion eines anderen Medikaments verändert und damit dessen Konzentration am Wirkort erhöht oder senkt. Die meisten pharmakokinetischen Wechselwirkungen finden auf der Ebene der Metabolisierung statt und hier an Enzymen des Cytochrom-P450-Systems (CYP). Substanzen, die nur unverändert renal eliminiert werden, sind in Bezug auf die metabolische Wechselwirkungsproblematik besonders geeignet, sie werden durch all die vielen Ereignisse, die an hochkomplexen, labyrinthischen Metabolisierungssystemen wie den Cytochromisoenzymen auftreten können, nicht beeinträchtigt.

Auch allgemeinmedizinische Medikamente wie die Antibiotika Ciprofloxacin, Clarithromycin oder das Antimykotikum Terbinafin oder das Antiarrhythmikum Amiodaron weisen starke Hemmeffekte auf und verändern die Bioverfügbarkeit der Komedikation u.U. erheblich! Das Rauchen senkt die Blutspiegel nicht nur von Duloxetin oder von Antipsychotika wie Clozapin oder Olanzapin, sondern z. B. auch von Antiparkinsonmedikamenten wie Rasagilin und Ropinirol klinisch bedeutsam. In diesem Workshop wird auch das Wechselwirkungsgeschehen zwischen onkologischen Medikamenten wie z. B. Docetaxel, Vinblastin, Anastrazol und Letrozol und den ZNS-Medikamenten besprochen und an Fallbeispielen bearbeitet. Außerdem wird das interessante Kapitel der sog. Prodrugs wie Tramadol und Tamoxifen aufgegriffen und es werden auch pharmakogenetischen Polymorphismen, sog. Poor bzw. Ultra Rapid Metabolizer, diskutiert, solch ein Status kann erhebliche Behandlungsrisiken in sich bergen. Und wir kümmern uns auch um die Probleme und Risiken der Selbstmedikation (häufig ein Hazard-Spiel), einige doch recht überraschende Ergebnisse werden vorgestellt. Aktuelle elektronische Interaktionsdatenbanken vorgestellt: www.psiac.de. „PSIAC“ steht für „Interaktionscomputer in der Psychiatrie“. Die Datenbank bearbeitet die Interaktionen von psychiatrisch und neurologischen Medikamenten untereinander und auch Wechselwirkungen von ZNS-Medikamenten mit internistischer und allgemeinmedizinischer Komedikation. Ein analoges Programm, ist das schweizerische www.mediQ.ch Wenn bei einer Kombination mit Wechselwirkungen zu rechnen ist, so muss dies nicht bedeuten, dass die Kombination vermieden werden sollte. Sie kann im Einzelfall sogar hilfreich sein. Durch Messung der Plasmakonzentrationen, durch das Therapeutische Drug Monitoring (TDM), ist es möglich, die Dosis individuell anzupassen. Es geht natürlich in diesem Workshop auch um die Fälle der Teilnehmer, die diese diskutieren möchten. Alle teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen sind eingeladen, gern eigene Fälle mitzubringen, die sie als schwierig oder sehr komplex verstehen. Und dann bearbeiten wir diese Fälle gemeinsam nach dem Motto: „Was mache ich, wenn ...?“

Weiterführende Literatur: Benkert O, Pocket Guide Psychopharmaka von A bis Z, 5. Aufl. Springer Medizin 2019 Hiemke C, Eckermann G, Kombinationstherapie/Polypharmazie: Interaktionen von Psychopharmaka. Psychopharmakotherapie 2014;21:269-279 Messer T, Schmauß M, Polypharmazie in der Behandlung psychischer Erkrankungen. Springer Verlag Heidelberg, 3. Aufl. 2016 Wynn GH, Oesterheld JR, Cozza KL, Amstrong SC, Clinical Manual of Drug Interaction. Principles for medical practice, American Psychiatric Publishing, Washington DC (2009)

15:30–19:15 Uhr

WS 217 Risiken der Psychopharmakotherapie

Vorsitz: Renate Grohmann, Sermin Toto, Detlef Degner, Gabriel Eckermann, Susanne Stübner, Andreas Horvath

Zum Buchungsportal

Abstract: Die Bewertung der Risikofaktoren einer psychopharmakologischen Therapie ist von unverändert großer Bedeutung bei der Behandlung psychiatrischer Patienten. Aus einem Jahrzehnte langen Erfahrungsgrund (AMSP Projekt) mit jeweils neuester wissenschaftlicher Begleitung werden hier die wichtigsten Risiken der einzelnen Psychopharmakagruppen aus der Sicht der täglichen klinisch-praktischen Anwendung vorgestellt. Die Risiken bei Kombinationen der Psychopharmaka untereinander als auch mit anderen Arzneimitteln - sowohl im Hinblick auf pharmakokinetische als auch pharmakodynamische Effekte - werden anhand von Übersichten und an Fallbeispielen dargestellt und gemeinsam bearbeitet. Sowohl Antidepressiva als auch Antipsychotika, mood stabilizer und andere in der Psychiatrie angewandte Pharmaka werden einbezogen. Besonderer Wert wird auf Aspekte der individuellen Risikoanalyse gelegt. Erwünscht sind Fallbeispiele aus dem Auditorium.

Zielgruppe: Nervenärzte, Psychiater, Psychotherapeuten, Internisten, Allgemeinärzte, Psychologen

Didaktische Methode: Information im Vortrag, Fallbeispiele, Interaktion und Diskussion

mehr erfahren