2-Tage-Workshops am 27. und 28.11.2019

Die 2-Tage-Workshops dauern jeweils zweimal 3,75 Stunden und finden in kleinen Gruppen mit maximal 30 Teilnehmern statt. Insgesamt sind die Veranstaltungen des DGPPN Kongresses mit voraussichtlich 30 CME-Punkten zertifiziert. Im Folgenden finden Sie  die buchbaren 2-Tage-Workshops. Die Gebühren werden auch im Portal angezeigt.

Der jeweils zweite Teil des Workshops findet am zweiten Tag im selben Raum statt.

 08:30–12:15 Uhr

WS 201  Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) – Therapeutentraining

Vorsitz: Thorsten Kienast

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Abstract: Die Akzeptanz und Commitment Therapie (ACT) wird wie die Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT) zu den Verfahren der dritten Welle der Verhaltenstherapie gezählt. Während ein wichtiges Ziel in der DBT ist Emotionen zu regulieren und Gedanken zu verändern, fokussiert ACT auf einen völlig anderen Schwerpunkt. Das systematische Erlernen von „Akzeptieren“. Grundlage für diesen Ansatz ist die Erkenntnis aus der praktischen Arbeit mit Patienten, dass es nicht immer möglich ist blockierende Gefühle zu regulieren oder sich von bestimmten Gedanken ausreichend zu distanzieren um ein lebenswertes Leben zu führen. Nicht selten wird ein solches Leben über lange Strecken als unerfüllt, voller Angst und verbittert empfunden.

ACT ist ein therapeutisches Konzept das sich nicht auf komplizierte kognitive Modelle, sondern an den Werten des Betroffenen orientiert. ACT setzt dabei auf den geschickten Einsatz von einfachen Metaphern. Die Methode ist leicht erlernbar und sofort einleuchtend. Die Therapieform arbeitet direkt emotionsaktivierend und ist für eine sehr breite Klientel direkt und nachhaltig in allen Psychotherapieformen (TP, VT, systemisch und humanistisch) einsetzbar. Wie die Schematherapie besitzt ACT einen störungsübergreifenden Ansatz und ist für die Behandlung verschiedener psychischer Erkrankungen als wirksam evaluiert. Wirksamkeitsnachweise bestehen unter anderem für Angsterkrankungen, Abhängigkeitserkrankung, Persönlichkeitsstörungen und Depression.

Das übergeordnete Ziel dieser Behandlungsform ist es Vermeidungsverhalten mit hohen Kosten aufzugeben und durch ein effektives, funktionales Verhalten zu ersetzen.

In diesem Workshop erhalten Sie neben einer sehr unterhaltsamen und verständlichen Einführung in ACT (Bezugsrahmentheorie und funktionalen Kontextualismus) einen praktischen Einblick in die sechs Dimensionen der ACT, das Hexaflex einschließlich Patientenskills: Akzeptanz, Kognitive Defusion, Selbst-als-Kontext, Achtsamkeit, Werte, Engagiertes Handeln

Nach dem Workshop sind die Teilnehmer darin befähigt das Gelernte im Patientenkontakt unmittelbar und professionell einzusetzen.

Literatur: Eifert, G. (2011) Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Göttingen: Hogrefe Verlag
Forsyth, J.P.; Eifert, G., Harres, A. (2010) Mit Ängsten und Sorgen erfolgreich umgehen: Ein Ratgeber für den achtsamen Weg in ein erfülltes Leben mit Hilfe von ACT. Göttingen:
Hogrefe Verlag
Wengenroth, M. (2012) Akzeptanz- und Commitmenttherapie. Weinheim: Beltz Verlag

WS 202 Psychopharmakologie – Update 2019

Vorsitz: Francesca Regen, Oliver Peters, Eric Hahn, Arnim Quante, Eike Ahlers

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Abstract: Die Auswahl der "richtigen" Psychopharmaka stellt in der klinischen Praxis eine große Herausforderung dar. Auch wenn die Anzahl neuer Psychopharmaka in den vergangenen Jahren recht überschaubar geblieben ist, gibt es immer wieder wichtige neue Erkenntnisse zu bereits bekannten Substanzen, insbesondere hinsichtlich unerwünschter Wirkungen und Wechselwirkungen. Dieser Workshop gibt einen aktuellen Überblick über Antidepressiva, Antipsychotika, Stimmungsstabilisatoren und Stimulanzien sowie über die Pharmakotherapie im Alter und bei Demenz und informiert über neue Erkenntnisse und Trends in der Psychopharmakologie. Dabei wird großer Wert auf den praxisnahen Einsatz gelegt, neben der patientenspezifischen Auswahl liegt der Schwerpunkt auf Kombinationsmöglichkeiten, Interaktionen und medikamentösen Strategien bei Therapieresistenz. In abschließenden Falldiskussionen können vorbereitete und eigene Fälle besprochen und Erfahrungen ausgetauscht werden.

WS 203 Der multimorbide Alterspatient in der Gerontopsychiatrie

Vorsitz: Walter Hewer, Christine Thomas

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Abstract:  Die Zahl hochaltriger und multimorbider Menschen, die im (teil)stationären und ambulanten Setting psychiatrisch behandelt werden, nimmt deutlich zu und wird in Zukunft noch weiter steigen. Neben verschiedensten Begleiterkrankungen, die u. U. mehrere Organsysteme betreffen sind viele Patienten auch durch sog. geriatrische Syndrome beeinträchtigt. Die komorbiden somatischen Störungen interagieren regelhaft in verschiedener, häufig komplexer Art und Weise mit den psychischen Störungen und deren Behandlung. Somatische Prozesse können zum einen ätiologisch relevant für psychische Störungen sein (z. B. Delir ausgelöst durch Exsikkose) und vice versa ebenso (z. B. Exsikkose/Malnutrition in Folge einer schweren Depression). Zum anderen schränken Komorbiditäten psychopharmakologische und psychotherapeutische Behandlungs-möglichkeiten ein. Geriatrische Syndrome wie Sturzkrankheit, Malnutrition, kognitive Defizite und sensorische sowie motorische Defizite erhöhen die Vulnerabilität der betroffenen Patienten beträchtlich und müssen wegen der assoziierten Risiken bei der Therapieplanung, Therapiezieldefinition und Behandlungsdauer berücksichtigt werden. Dabei ist der Wiedererlangung bzw. dem Erhalt eines möglichst hohen Funktionsniveaus besondere Beachtung zu schenken. Inhaltliche Schwerpunkte: Assessment und multiprofessionelle Behandlung bei ausgewählten in der Gerontopsychiatrie besonders bedeutsamen geriatrischen Syndromen und Problembereichen, wie Delir, Stürze, Gebrechlichkeitssyndrom (Frailty), Schmerzen, Polypharmazie, Malnutrition, Inkontinenz. Das Management internistischer und neurologischer Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Parkinson-Syndrom) bei Alterspatienten wird in exemplarischer Form und unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen mit psychischen Störungen besprochen.

Zielgruppe: ÄrztInnen in Weiterbildung, FachärztInnen für Psychiatrie und Psychotherapie, ÄrztInnen anderer Fachrichtungen. Lernziel: Vertiefung praxisrelevanter altersmedizinischer Kenntnisse, die insbesondere für die Behandlung hochaltriger Patienten mit psychischen Störungen bedeutsam sind.

Didaktische Methode: Im Fokus stehen die für die Gerontopsychiatrie besonders wichtigen Inhalte. Die Themen werden anhand exemplarischer Fälle und mit Bezugnahme auf ausgewählte theoretische Grundlagen in interaktiver Form besprochen. Handouts werden zur Verfügung gestellt.

WS 204 Neurofeedback – eine verhaltenstherapeutische Technik zur Selbstregulation von Gehirnaktivität und Verhalten

Vorsitz: Ute Strehl

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Abstract: Neurofeedback ist eine psychophysiologische Behandlungsmethode, die in den letzten Jahren für die Behandlung von Erwachsenen und Kindern mit verschiedenen Störungen entwickelt und evaluiert wurde. Erfolge in der Behandlung von Epilepsien und der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) konnten nachgewiesen werden. Auch andere Anwendungsbereiche wie z. B. Tinnitus, Tourette, Migräne, primäre Insomnie, Autismus oder Leistungssteigerung bei Gesunden werden zunehmend untersucht und/oder von Patienten nachgefragt. Damit ist in der Schnittmenge von Medizin und Psychologie eine Nachfrage entstanden, die weder Ärzte noch Psychologen in Ermangelung einschlägiger Ausbildung auch nur annähernd befriedigen. Im Workshop werden die hirnphysiologischen und lerntheoretischen Grundlagen des Neurofeedbacks vorgestellt. Am Beispiel der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung werden Behandlungsprotokolle und ihre Einordnung in ein verhaltenstherapeutisches Vorgehen besprochen. Es werden Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit vorgestellt und ein Ausblick auf andere Anwendungen gegeben. Ein Schwerpunkt wird in der Einführung in die Technik liegen. Feedback-Geräte stehen zu Demonstrationszwecken und für eigenständige Übungen zur Verfügung.

Zielgruppe: Psychiater, Psychotherapeuten, Pädiater, Neuropädiater, Psychologen, EEG-Assistenten

Didaktische Methode: Vortrag, Demonstrationen und eigenständige Übungen am Feedback-Gerät

WS 205 Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie intensiv

Vorsitz: Irene Samman

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Abstract: Der praxisnahe Workshop wendet sich sowohl an Neueinsteiger als auch an erfahrene Kollegen, die bereits psychiatrische Konsile durchführen oder sich gezielt in allen Bereichen der Akut- und Intensivmedizin darauf vorbereiten wollen. Der Workshop vermittelt, wie Sie an ein Konsil herangehen, welche Vorinformationen nützlich sind und wie Sie ein Gespräch auch unter schwierigen Bedingungen und Zeitdruck aufbauen. Sie erhalten viele Tipps zur Bewältigung von Krisensituationen aus den langjährigen konsiliarpsychiatrischen Erfahrungen eines Maximalversorgers mit mehr als 1600 Betten. In kaum einem anderen Gebiet der Psychiatrie lässt sich in so kurzer Zeit ein so hoher Wissens- und Erfahrungszuwachs erzielen wie in der Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie. Der Schwerpunkt des Workshops liegt auf dem klassischen Konsultationsmodell. Wir besprechen komplexe Konsilsituationen, in denen ein rascher Überblick, engagiertes Handeln und klare Entscheidungen erforderlich sind. Beispiele sind die Abklärung von Suizidalität auf einer Intensivstation, Gesprächsführung bei schwierigen oder aggressiven Patienten, Zusammenarbeit mit den Stationsteams, Umgang mit Kollegen beim Wunsch nach sofortigen Notfallkonsilen, Abklärung von Übernahmeindikationen in die Klinik für Psychiatrie und Management von psychiatrischen Akutsituationen im Umfeld einer somatischen Station. Die rechtlichen Themen betreffen u.a. das Betreuungsrecht, freiheitsentziehende Maßnahmen, Zwangsbehandlung nach §1906a auf einer somatischen Station, die Einwilligungsfähigkeit vor Eingriffen, bei plötzlichem Entlasswunsch oder bei Wunsch nach Behandlungsabbruch. Weitere Themen sind Sucht, Demenz, Delir, Depressionen und suizidale Äußerungen bei körperlich Kranken. Wir befassen uns intensiv mit den Grundlagen, Interaktionen und den häufigen Problemstellungen der Psychopharmakotherapie bei multimorbiden Patienten. Der Kurs ist auf das DGPPN-Zertifikat "Psychiatrie, Psychotherapie und Psycho¬somatik im Konsiliar- und Liaisondienst" und als "Seminar Konsil- und Liaisonarbeit" entsprechend der WBO anrechenbar. Gerne dürfen Sie eigene Fälle zur Diskussion mitbringen. Bitte laden Sie sich vor dem Workshop das Handout herunter.

WS 206 Psychodynamische Psychotherapie und Krisenintervention bei Patienten mit Borderline- und narzisstischen Persönlichkeitsstörungen

Vorsitz: Peter Buchheim, Stefano Baccara

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Abstract: Ziel des Workshops ist es, zu vermitteln, wie ein psychodynamischer Ansatz bei schweren Persönlichkeitsstörungen im ambulanten und stationären Setting und besonders auch in Krisensituationen eingesetzt werden kann. Wir informieren über die Prinzipien der Diagnostik und Therapie, insbesondere über die Rahmenbedingungen mit Therapievertrag sowie über das therapeutische Vorgehen in der ambulanten und stationären Therapie. Wir orientieren uns an der von Otto Kernberg entwickelten, auf der Objektbeziehungstheorie basierenden Methode der „Transference-Focused Psychotherapy (TFP)", einer störungsspezifischen, evidenzbasierten psychodynamischen Psychotherapie. Primäre Therapieziele sind Reduzierung von Angst, Depression und Suizidalität, von gestörter Emotionsregulation, von aggressivem und selbstdestruktivem Verhalten und von Therapieabbrüchen. Langfristige strategische Therapieziele sind Förderung der Reflektions-, Bindungs- und Integrationsfähigkeit und der Empathie sowie die Stabilisierung in interpersonellen Beziehungen, in Ausbildung und Arbeit unter besonderer Berücksichtigung von komorbiden Störungen. Ein spezifischer therapeutischer Fokus liegt auf den in der Interaktion reaktivierten heftigen Emotionen, auf den dysfunktionellen und verzerrten Selbst- und Objektbeziehungen, den Identitätsstörungen der Patienten und insbesondere auf den Übertragungs- und Gegenübertragungsreaktionen in der Kommunikation zwischen Patient und Therapeuten. Wir vermitteln die Grundzüge der Behandlungstechnik mit der Darstellung von Fallbeispielen, Videoaufzeichnungen von ambulanten und stationären Therapiesitzungen und Kriseninterventionen und üben die typischen Interaktionsprobleme im Rollenspiel auch anhand von Fallbeispielen der TeilnehmerInnen.

Zielgruppe: Ärzte und Psychologen mit Erfahrungen in der ambulanten und stationären Behandlung von Patienten mit Persönlichkeitsstörungen. Methode: Impulsreferate mit Diskussionen, Videoaufzeichnungen, Diagnostik, Behandlungstechnik, Interventionstraining mit Rollenspiel.

Literatur: J.F. Clarkin, F.E. Yeomans, O.F. Kemberg (2001,2008, 2017) Psychotherapie der Borderline­ Persönlichkeit. Manual zur Psychodynamischen Psychotherapie, Schattauer, Stuttgart. Doering S, Hörz S, Rentrop M, Fischer-Kern M, Schuster P, Benecke C, Buchheim A, Martius P, Buchheim P. Transference-focused psychotherapy v. treatment by community psychotherapists for borderline personality disorder: randomised controlled trial. Br J Psychiatry 2010; 196: 389–95.

15:30–19:15 Uhr

WS 207 Präzisionsmedizin 2019: Was man über Genetik, Grapefruit und gefährliche Wechselwirkungen wissen sollte

Vorsitz: Daniel Müller, Eva Janina Brandl, Gabriel Eckermann

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Abstract: Als Hauptfaktoren die zu der großen Variabilität bei Arzneimittelwirkungen beitragen gelten Alter, spezifische Krankeitsmerkmale, Wecselwirkungen mit anderen Substanzen und genetisch bedingte Eigenschaften. Die genetischen Faktoren spielen dabei in der Entwicklung einer personalisierten Therapie eine immer größere klinische Rolle. Durch den stetigen Wissenszuwachs, äußern bereits heute sowohl Therapeuten als auch Patienten zunehmend Fragen wie zum Beispiel: „Wie kann eine medikamentöse Behandlung besser auf individuelle Faktoren zugeschnitten werden?“ - "Wie nützlich sind genetische Tests in der pharmakologischen Behandlung?“ und „Wie lassen sich Wechselwirkungen in der täglichen Praxis und in Konsilen vermeiden“?

Im Workshop werden alle relevanten Grundlagen zu derzeit gängigen genetischen Testverfahren präsentiert und mittels Fallbeispielen wird aufgezeigt, wie in schwierigen Behandlugsfällen genetische Untersuchungen gewinnbringend eingesetzt werden können (Drs. Müller und Brandl).

Ergänzend wird Dr. Eckermann zahlreiche und höchst lehrreiche Fallbeispiele detailliert diskutieren, bei denen die Bedeutsamkeit von CYP-Enzymaktivitäten und Arzneimittelinteraktionen intensiv verdeutlicht werden.

Zusammenfassend werden in diesem Workshop die folgenden Lernziele angestrebt:
1) Grundlagen vermitteln, die bei Nebenwirkungen und Interaktionen von Arzneimittel hochgrdig relevant sind;
2) Grundlagen genetischer Variabilität und personalisierter Medizin;
3) Präsentation von Fallbeispielen mit problematischen Arzneimittel-Nebenwirkungen/Wechselwirkungen und wie diese zu vermeiden sind;
4) Vorteile in der Anwendung von pharmakogenetischen Untersuchungen mit Fallbeispielen (insbesondere CYP2D6 und CYP2C19);
5) Einblick in die Zukunftsperspektiven pharmakogenetischer Forschung und der genomichen Medizin. 

Zielgruppe: Klinisch tätige Ärzte im ambulanten und stationären Bereich, wie auch interessierte Wissenschaftler aus Unikliniken und Industrie zu den Themen Psychopharmakologie, Wecheselwirkungen und Pharmakogenetik.

Didaktische Methode: Ca. 75 % Strukturierte Präsentationen, mit dem Ziel komplexes Wissen über die Ursachen der Variabilität von Psychopharmaka-(Neben-)Wirkungen zu vermitteln. Dazu werden zahlreiche Fallbeispiele und der Vorteil von angewandten pharmakogenetischen Untersuchungen erörtert.

Ca. 25 % Interaktve Gestaltung mit Diskussion und Beantwortung von Fragen zu den Präsentationen sowie Einladung über eigene Fallbeispiele zu berichten und zu diskutieren. 

WS 208 Das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) – eine schulenübergreifende, störungsspezifische Psychotherapie für chronisch depressive Patienten

Vorsitz: Eva-Lotta Brakemeier, Philipp Sterzer

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Abstract: Chronisch bzw. persistierend depressive Patienten können für PsychotherapeutInnen oder ein stationäres Behandlungsteam aufgrund der Schwierigkeit, mit ihnen in eine offene, vertrauensvolle, konstruktive Beziehung zu treten, eine große Herausforderung darstellen. Diese Patienten erscheinen im therapeutischen Kontakt häufig besonders verschlossen, zurückhaltend, ängstlich, misstrauisch bis hin zu passiv-aggressiv bzw. feindselig. Durch die Kenntnis ihrer frühen traumatisierenden Beziehungserfahrungen sind diese Verhaltensweisen oft erklärbar, jedoch behindern sie den Aufbau der Beziehung, Therapiefortschritt und lösen in Psychotherapeuten nicht selten negative Emotionen aus. Das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) von James McCullough wurde spezifisch für diese Patientengruppe entwickelt. Ausgehend von der Psychopathologie dieser Patienten werden in CBASP schulenübergreifend behaviorale, kognitive, psychodynamisch/analytische und interpersonelle Strategien integriert. Als besonders innovativ und hilfreich wird die Beziehungsgestaltung durch umsichtige Selbstöffnung des Therapeuten betrachtet. Im Workshop wird zunächst die spezifische Psychopathologie der chronischen Depression herausgearbeitet, die durch frühe traumatisierende Beziehungserfahrungen, eine Wahrnehmungsentkopplung von der Umwelt sowie interpersonelle Probleme gekennzeichnet ist. Im weiteren Verlauf wird praxisnah unterstützt durch Videobeispiele, Demonstrationen und Übungen gezeigt, wie die spezifischen CBASP-Strategien (Liste prägender Bezugspersonen, Übertragungshypothese, Interpersonelle Diskriminationsübung, Kiesler Kreis, Situationsanalyse, Diszipliniertes Persönliches Einlassen) direkt an dieser Psychopathologie ansetzen. Abschließend wird kurz die aktuelle Studienlage zur Wirksamkeit als ambulante und stationäre Therapie vorgestellt, wobei Möglichkeiten, Grenzen und Weiterentwicklungen diskutiert werden.

Didaktische Methoden: Kurze Einführung in die spezifische Psychopathologie der chronischen Depression und in CBASP; praxisnahe Vorstellung sämtlicher CBASP-Strategien unterstützt durch Videobeispiele, Live-Demonstrationen und Kleingruppen-Übungen mit Coaching; lebendige Diskussion mit TeilnehmerInnen über Indikation, Nebenwirkungen, Wirkungen, Möglichkeiten und Grenzen dieses Ansatzes

Literaturempfehlung Brakemeier EL & Normann C (2012). Praxisbuch CBASP. Behandlung chronischer Depression. Weinheim: Beltz Verlag. Brakemeier EL & Buchholz A (2013). Die Mauer überwinden. Wege aus der chronischen Depression. Weinheim: Beltz Verlag. Brakemeier EL, Köhler S, Sterzer P (2013). Therapie der chronischen Depression mit CBASP. Themenheft: Depression. Psychotherapie im Dialog, 2, 34–38.
Brakemeier, E.L., Knoop., R., Spies, J. (2017). Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP). In: E.L. Brakemeier & F. Jacobi (Eds.), Verhaltenstherapie in der Praxis (S. 689–700). Weinheim: Beltz.

WS 209 EMDR in der Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung

Vorsitz:  Karsten Böhm, Visal Tumani

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Abstract: EMDR hat sich in zahlreichen Studien als wirkungsvolle Intervention erwiesen und erhielt 2006 die wissenschaftliche Anerkennung für einzelne Anwendungsbereiche vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) in Deutschland. 2015 erfolgte die Zulassung als Richtlinienverfahren zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) bei Erwachsenen in Deutschland. In den USA ist EMDR bereits seit 1998 anerkannt (APA) und in Großbritannien seit 2001 (UK Dept. of Health). EMDR gilt als effektiver Weg in der Therapie der PTBS auch in schweren und chronifizierten Fällen sowohl im ambulanten als auch im stationären Rahmen. Der Einführungskurs verfolgt das Ziel, anhand praktischer Fallbeispiele erste Kompetenzen zur Durchführung von EMDR in der Therapie der PTBS aufzubauen und einzuüben. Neben Indikationen und Kontraindikationen, werden vor allem die acht Phasen der EMDR-Behandlung (EMDR-Standard-Protokoll) ausführlich vorgestellt. Die praktische Anwendung steht im Mittelpunkt.

Didaktische Methode: Im Workshop werden hierzu Therapievideos gezeigt, Rollenspiele durchgeführt und die Theorie anschaulich vermittelt. Zudem wird auf typische Probleme in der Therapieplanung einer posttraumatischen Behandlungsstörung eingegangen.

WS 210 Einführung in die Metakognitive Therapie (MCT) bei Angststörungen und Depression

Vorsitz: Oliver Korn, Sebastian Rudolf

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Abstract: Zu den neueren Entwicklungen der Verhaltenstherapie zählt die Metakognitive Therapie (MKT), die von Prof. A. Wells entwickelt worden ist. Sie wird zur Behandlung von Menschen mit affektiven Störungen, sowie Zwangs- und Angststörungen angewandt und geht davon aus, dass es nicht die Inhalte von Kognitionen, sondern dysfunktionale und für den Patienten schwer zu kontrollierende Muster des Denkens und der Aufmerksamkeitslenkung sind, die diese psychischen Störungen aufrechterhalten. Diese charakteristischen Muster werden auch als kognitives Aufmerksamkeitssyndrom (CAS) bezeichnet. Das CAS besteht aus einem exzessiven Grübeln und Sich-Sorgen-machen, Gedankenkontrollstrategien sowie einer ausgeprägten Lenkung der Aufmerksamkeit auf potentielle Gefahren. Den Hintergrund für den Einsatz dieser Strategien stellen positive metakognitive Überzeugungen dar, die ihren Nutzen für den Patienten betonen (z. B.: „Grübeln hilft mir, eine Lösung für meine Probleme zu finden.“). Über die Zeit bilden sich jedoch auch negative metakognitive Überzeugungen hinsichtlich der Unkontrollierbarkeit dieser Prozesse und ihrer Gefährlichkeit (z. B.: „Ich kann mein Sorgen-machen nicht kontrollieren!“). Sie tragen zu einer Aufrechterhaltung der obigen Strategien und dem Einsatz weiterer dysfunktionaler Bewältigungsstrategien bei (z. B. Vermeidung von Situationen, Substanzkonsum, etc.). Diese führen zu einer weiteren Verschlechterung der Symptomatik im Sinne eines Teufelskreises. Die metakognitive Therapie zielt auf eine Steigerung des metakognitiven Bewusstseins des Patienten und die Wiedererlangung der flexiblen Kontrolle über kognitive Prozesse und Prozesse der Aufmerksamkeitslenkung. Das CAS und dysfunktionale Bewältigungsstrategien werden abgebaut, die ihnen zugrundeliegenden metakognitiven Überzeugungen verändert und alternative Pläne der kognitiven Verarbeitung generiert. Aktuelle empirische Daten weisen darauf hin, dass ein großer Teil der Patienten auf diese Art der Behandlung respondiert und eine nachhaltige und klinisch bedeutsame Verbesserung der Symptomatik erreicht.

WS 211 Einführung in die forensische Begutachtung psychisch Kranker

Vorsitz: Hartmut Berger

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Abstract: Die Bearbeitung von Gutachtenaufträgen beinhaltet eine Reihe von Tücken. Zum einen gilt es, den Inhalt der Gesetze und der Rechtsprechung zu verstehen, die im Rahmen der Begutachtung seelischer Erkrankungen von Bedeutung sind. In diesem Zusammenhang ist es für den Psychiater oftmals schwierig, das normative Denken der Juristen zu verstehen und dieses Beurteilungsraster mit dem in den psychiatrisch-psychologischen Wissenschaften üblichen Denken in Kontinuitäten in eine sinnvolle Übereinstimmung zu bringen. Weiter gilt es, die Sprache (und damit das Denken) der Psychiatrie so zu übersetzen, dass auch medizinische Laien verstehen, was gemeint ist. Der Workshop soll sich deshalb mit einigen ausgewählten Aspekten befassen, die bei der Begutachtung psychisch Kranker unabdingbar sind. Lernziele des Workshops sind: Grundkenntnisse der juristischen und forensisch-psychiatrischen Rahmenbedingungen; die Durchführung der klinisch-psychiatrischen sowie der testpsychologischen Untersuchung sowie der Zusatzuntersuchungen im Rahmen der strukturierten professionellen Urteilsbildung; formaler und inhaltlicher Aufbau des Gutachtens; Kriterien zur Beurteilung der Schuldfähigkeit.

Zielgruppe: Ärzte in der Weiterbildung. Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychologen mit forensisch-psychiatrischer Erfahrung

Didaktische Methode: In dem Workshop werden zunächst die forensisch-psychiatrischen Grundlagen der Begutachtung vermittelt. Im Einzelnen die rechtlichen Voraussetzungen und die klinisch-psychiatrische Vorgehensweise bei der Beurteilung der Schuldfähigkeit, des Hangs und der Prognose. Die Grundkenntnisse werden anhand von einzelnen Kasuistiken vertieft erörtert. Hierzu werden Übungsgutachten vorgelegt, deren Beurteilung in Kleingruppen erarbeitet und im Plenum gemeinsam erörtert wird. Den Teilnehmern steht es frei, eigene Gutachten einzubringen und vorzustellen.

WS 212 Stimmenhören und persistierender Wahn: kognitive Verhaltenstherapie – wie antipsychotische Medikation ihre Grenzen findet

Vorsitz: Roland Vauth

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Abstract: Trotz aller Fortschritte in der Behandlung auch neuerer atypischer Antipsychotika schizophrener Störungen weisen auch heute noch 20–25 % der Betroffenen persistierende Wahnsymptomatik auf und/oder hören chronisch Stimmen. Für Patienten, Angehörige und Therapeuten oft ein Grund zu resignieren. Dabei wurden in der jüngsten Vergangenheit eine ganze Reihe interessanter kognitiv-verhaltenstherapeutischer Ansätze entwickelt, die erfolgreich zur Behandlung eingesetzt werden können. Eine Vielzahl guter Studien und systematischer Reviews zeigen, dass sie neben der Optimierung antipsychotischen Medikation in diesem Indikationsbereich als evidenzbasierter Ansatz moderner Psychiatrie zur Verfügung stehen. Aber welche Techniken wendet man wie an und wie baut man auch systematisch erfolgreiche Therapie auf? Anhand eigener und vorgestellter Fallbeispiele und Videos lernen Sie Praxisrelevantes für ambulante und stationäre Therapie. Dabei erfahren Sie auch wie man den Patienten überhaupt in verhaltens- und pharmakotherapeutische Behandlung bekommt und hält (engagement and disengagement, Compliance), d. h. moderne motivationspsychologische Verfahren gehören ebenfalls zum Interventionspaket effizienter Behandlung chronischen Wahns und persistierender Halluzinationen.

Literatur: Lencer, R. H., M.S.H.; Weiden, P.; Stieglitz, R-D; Vauth, R.: (Ed.). (2011). When psychopharmacology is not enough: Using cognitive behavioral therapy techniques for persons with persistent psychosis. Göttingen: Hogrefe International. Vauth, R. (2012). Wirksame Konzepte in der multimodalen Verhaltenstherapie bei schizophrenen Störungen: Ziele und Strategien Psychodynamische Psychotherapie, 11, 51-62. Vauth, R. (Ed.). (2007). Die umfassende Behandlung schizophrener Störungen als klinische Herausforderung. Göttingen: Hogrefe. Vauth, R., & Stieglitz, R. D. (2007). Chronisches Stimmenhören und persistierender Wahn. Fortschritte der Psychotherapie. Göttingen: Hogrefe. Vauth,R. & Stieglitz (2017). Behandlungsbereitschaft bei Menschen mit schizophrenen Störungen nachhaltig aufbauen. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie 65(2): 73-82.

WS 213 EinBlick ins Gehirn: klinisch relevante Entwicklungen aus den Neurowissenschaften

Vorsitz: Dieter F. Braus

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Abstract: In den letzten 30 Jahren konnten die Neurowissenschaften die Modelle zur Hirnfunktion deutlich verfeinern. Grundlegende Erkenntnisse zur neuronalen Plastizität als biologische Basis des Veränderungsprozesses im Rahmen der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung wurden gewonnen. Auch neuronale Mechanismen, die mit der subjektiven Erfahrung von beispielsweise Angst, Sozialverhalten oder kognitiven Fehlfunktionen assoziiert sind, sind auf unterschiedlichen Untersuchungsebenen der Hirnforschung zugänglich. Darüber wird der bessere Zugang zur Pathophysiologie für die komplexen neuro-psychiatrischen Erkrankungsgruppen geebnet. Die Vielfalt der Verfahren schafft so Brücken zwischen Erleben, Verhalten, Genen, Immunologie und Gehirn, und unterstützt den Weg zur Präzisionsmedizin, auch in der Psychiatrie. Im Rahmen des Vortrags sollen aktuelle Daten aus der neurowissenschaftlichen Forschung referiert und diskutiert werden. Neben klinischen Bezügen besteht die Möglichkeit, Grundlagen zur Genetik und Genomik, Hirnentwicklung, Neuanatomie und Neuroplastizität zu reaktivieren und zu vertiefen.

WS 214 Methoden und Techniken der kognitiven Umstrukturierung

Vorsitz: Dieter Wälte

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Abstract: Die Methoden und Techniken der kognitiven Umstrukturierung zählen seit der "kognitiven Wende in der Verhaltenstherapie" evidenzbasiert zu den effektivsten psychotherapeutischen Interventionen für ein breites Spektrum von psychischen Störungen. Neue Impulse für die Praxis ergeben sich aber auch aus aktuellen neurobiologischen und kognitionswissenschaftlichen Forschungsergebnissen, die zu einer Fortentwicklung und weiteren Fundierung beitragen. Sie liefern den Schlüssel dafür, dass kognitive Umstrukturierungen besonders effektiv sind, wenn die implizite und explizite Informationsverarbeitung bei psychischen Störungen simultan berücksichtigt wird. Auf der Basis der einschlägigen Konzepte kognitiver Verhaltenstherapie (z.B. nach Ellis, Beck, Meichenbaum und Kanfer) wird den Teilnehmern zunächst ein grundlegender Überblick zu den drei wesentlichen Therapieschritten der kognitiven Umstrukturierung gegeben:
I. Psychoedukation (Vermittlung des Ansatzes),
II. Exploration (Aufdecken dysfunktionaler Gedanken in typischen Problemsituationen) und
III. Intervention (Veränderung der dysfunktionalen Gedanken). Für jeden dieser Therapieschritte werden solche Methoden und Techniken der kognitiven Umstrukturierung vorgestellt und eingeübt, die sich in Praxis und Klinik besonders bewährt haben. Vertiefend wird für einen längerfristigen Prozess der Intervention (Schritt III) ein modulares Konzept mit vier Stufen vorgestellt, das der impliziten und expliziten Informationsverarbeitung Rechnung trägt:
1. Kognitive Umstrukturierung bei der störungsspezifischen und biographischen Klärungsarbeit;
2. Neubenennung der Kognitionen durch aktive Problembewältigung;
3. Umstrukturierung der negativen Selbstreferenz;
4. Kognitive Umstrukturierung im Kontext von Selbstmanagement und Selbstkontrolle.
Am Ende des Workshops wird der/die Teilnehmer(in) einen praxisorientierten Leitfaden zur kognitiven Umstrukturierung in den Händen halten, der auch darüber informiert, in welcher Therapiephase welche Methode der kognitiven Umstrukturierung zur Anwendung kommt. Der Leitfaden wird den Teilnehmern und Teilnehmerinnen als Handout zur Verfügung gestellt und ist zusätzlich mit Materialien angereichert, die für die Arbeit mit den Patienten erfolgreich benutzt werden können.

WS 215 Crash-Kurs Psychiatriegeschichte

Vorsitz: Axel Karenberg, Kathleen Haack, Dirk Arenz, Ekkehardt Kumbier

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Abstract: An zwei Tagen werden Grundzüge der Psychiatriegeschichte, auch im Hinblick auf die Facharztprüfung, systematisch vermittelt und mit Hilfe von historischen Quellen anschaulich dargestellt. Kernthema 1) Kompaktwissen Höhepunkte und Irrwege in der Geschichte der Psychiatrie. Schwerpunkte: von der Aufklärung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts; Tendenzen der Psychiatrie im 20. Jahrhundert; Psychiatrie im Nationalsozialismus; Psychiatrie in der DDR. Kernthema 2) Ausgewählte Quellen: Texte und Kontexte. Kleingruppenarbeit, strukturierte Diskussionen, Raum für Fragen und Kommentare. Kernthema 3) Was weiß ich? Eponym-Quiz

Zielgruppe: Kolleginnen und Kollegen in der Vorbereitung zur Facharztprüfung; alle in der Psychiatrie Tätigen, die historisch interessiert sind, ebenso aus psychiatrienahen Berufen.

Didaktische Methoden: PowerPoint-unterstützte Vorträge und Diskussionen (Tag 1); Kleingruppenarbeit, Textlektüre und Videos (Tag 2)

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